III-2. Immunpathologie|Prof. Dr. Stefan Fichtner-Feigl

Die wissenschaftliche Bearbeitung der Transplantationsimmunologie fokussierte sich in der Vergangenheit hauptsächlich auf Lösungsstrategien zur Behandlung von akuten Abstoßungsreaktionen bei Transplantatempfängern. Die wissenschaftliche Anstrengung in diesem Bereich zeigte sich in den letzten Jahren als sehr erfolgreich, sodass akute Abstoßungsreaktionen in der Regel gut behandelt werden können. Jedoch reichen die vorhandenen Behandlungsstrategien für eine akuten Abstoßungsreaktion nicht aus, chronisch-rezidivierende Abstoßuneng mit nachfolgender Organschädigung wirksam unterbinden können. Aus diesem Grunde beschäftigten wir uns in experimenteller und translationaler Hinsicht mit immunologischen Phänomenen, welche das langfristige Transplantatüberleben beeinflussen können.

Wir konnten im Januar 2013 im American Journal of Transplantation eine Arbeit mit dem Titel "Inhibition of Innate Co-Receptor TREM-1 Signaling Reduces CD4+ T-Cell Activation and Prolongs Carciac Allograft Survival" publizieren. In dieser Arbeit haben wir einen Rezeptor des angeborenen Immunsystems (TREM-1) auf Antigen-präsentierenden Zellen untersucht und dessen Einfluss auf die Aktivierung einer chronischen Abstoßungsreaktion mit Transplantatfibrose dargelegt. Eine Inhibition dieses Rezeptors des angeborenen Immunsystems schwächte die Transplantatvaskulopathie im Rahmen der chronischen Abstoßungsreaktion deutlich ab, verlängerte das Transplantatüberleben und verhinderte die Ausbildung einer Transplantatfibrose. Interessanterweise reichte eine temporäre Inhibition dieses Rezeptors aus, um eine initiale Immunaktivierung zu verhindern und somit ein langfristiges Transplantatüberleben zu erreichen.

Im Juni 2013 konnten wir eine Arbeit im Journal of Hepatology zum Thema "Bile duct damage after cold storage of deceased donor livers predicts biliary complications after liver transplantation" publizieren. Die Grundlage für diese klinisch-translationale Arbeit liegt darin, dass Gallenkomplikationen eine Hauptursache für Morbidität, Transplantatversagen und Mortalität nach Lebertransplantation darstellen. In dieser publizierten Arbeit wurden nun Spendergallengänge bei Lebertransplantation hinsichtlich ihrer Epithelintegrität im Verlaufe von der Explantation hin zur Implantation longitudinal untersucht. Es zeigte sich hierbei, dass Kontrollgallengänge und Explantationsgallengänge eine normale Morphologie des Gallengangs Epithel mit einer regelrechten Lokalisation von Tight-Junction-Proteinen aufwiesen. Durch die Beurteilung mit einem neu entwickelten Schädigungschor für Gallengänge zeigte sich bereits im Rahmen der Kaltpräparation, also vor der eigentlichen Transplantation, ein signifikanter Epithelschaden am Gallengang der nach Reperfusion während der Transplantation noch zunahm. Hierbei war auch die normale Tight-Junction-Architektur und somit die Barriere-Funktion des Gallengang Epithels zu Zeitpunkten vor der Transplantation hochgradig gestört. Diese ermittelten Schädigungen konnten auch mit dem klinischen Outcome dieser Patienten korreliert werden. Somit kann man aus dieser Arbeit schlussfolgern, dass bereits vor der Lebertransplantation ein relevanter Schaden am Gallengangsepithel bei etwaigen Patienten nachweisbar ist und dieser prognostisch schlecht für die Entwicklung von Gallengangskomplikationen und Transplantatversagen zu werten ist.

Aufbauend auf diesen bereits publizierten Ergebnissen wird nun in experimenteller, translationaler und klinischer Hinsicht an dem Phänomen der chronischen Abstoßungsreaktion und der Gallengangskomplikation nach Lebertransplantation intensiv weitergearbeitet. Hierbei werden immunologische und molekularbiologische Signalkaskaden untersucht, um die Schädigungen am Transplantat besser zu charakterisieren und therapieren zu können.

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